DIGITASA 2025 - Ausgewählte Ergebnisse der dritten bundesweiten Pulsbefragung zur Digitalisierung (in) der Sozialen Arbeit
An der dritten DIGITASA-Erhebung, die im Mai und Juni 2025 stattfand, nahmen 662 Personen teil. Die Teilnehmenden stammen aus allen Bundesländern, wobei dieses Mal besonders viele Sozialarbeitende aus Baden-Württemberg vertreten waren (46%). Es folgen Sachsen mit 9% und Nordrhein-Westfalen mit 8%.
Ein erheblicher Anteil der Befragten (37%) ist in der Kinder- und Jugendhilfe tätig (vgl. Abbildung 1). Knapp zwei Drittel (62%) der Befragten haben keine Leitungsfunktion inne, 30% nehmen Führungsaufgaben in der unteren bis mittleren Leitungsebene wahr, während 8% in Führungspositionen auf höherer Ebene tätig sind.
Bezüglich der Trägerschaft zeigt sich, dass knapp zwei Drittel (63%) bei frei gemeinnützigen Trägern arbeiten. Weitere 7% sind bei frei gewerblichen Trägern beschäftigt, und 30% arbeiten bei einem öffentlichen Träger.
Abbildung 1: Tätigkeitsbereich
Genutzte digitale Technologien
Viele der Befragten nutzen Messengerdienste und Kollaborationstools (vgl. Abbildung 2), hier dominieren deutlich „Signal“ und „WhatsApp“ bzw. „MS Teams“, gefolgt von „MS Sharepoint“, „Zoom“ und „MS Outlook“. KI-Chatbots, deren Nutzung erstmals in dieser Studie erhoben wurde, werden bereits an dritter Stelle genannt, hier vor allem „ChatGPT“. Mit deutlichem Abstand folgen „Copilot“ und „Perplexity“. Auch Social Media spielt eine wichtige Rolle, am häufigsten „Instagram“, gefolgt von „Facebook“, „LinkedIn“ und „TikTok“. Träger- und verbandseigene Apps werden inzwischen von fast einem Viertel der Befragten genutzt, was eine deutliche Steigerung zur letzten Erhebung ist (2023: 9%). Sie dienen vor allem der Dokumentation, Abrechnung, Kommunikation, seltener der Zeiterfassung und Dienstplanung. KI-basierte Bilderstellung und assistive Technologien werden insgesamt eher selten genutzt.
Exemplarisch lassen sich folgende Unterschiede zwischen Handlungsfeldern darstellen: Über 90% der Fachkräfte in den ambulanten und stationären Hilfen zur Erziehung nutzen Messengerdienste. Am seltensten werden KI-Chatbots von Befragten aus den Hilfen für Menschen mit Beeinträchtigungen genutzt (28%), am häufigsten in Angeboten für Kinder und Jugendliche außerhalb der Hilfen zur Erziehung (56%).
Mit steigender beruflicher Position nimmt die Nutzung digitaler Technologien generell etwas zu. Auch nach Trägerform zeigen sich Unterschiede: Befragte aus gemeinnützigen Einrichtungen nutzen digitale Technologien insgesamt am häufigsten im Verhältnis zu gewerblichen und staatlichen Einrichtungen.
Abbildung 2: Genutzte digitale Technologien
Finanzierung von Digitalisierungsprozessen
Fast die Hälfte der Befragten (48%) hat keine Kenntnis darüber, wie die Digitalisierungsprozesse in der eigenen Einrichtung finanziert werden. Insgesamt scheint die Finanzierung von Digitalisierungsprozessen eine Mischfinanzierung zu sein, die – wie bereits in der Erhebung 2023 – weiterhin hauptsächlich auf Rücklagen des Trägers (24%) sowie Budgets aus der Regelfinanzierung (20%) basiert. Öffentliche Fördermittel auf Kommunal-, Landes- oder Bundesebene werden seltener genannt, ebenso wie Spenden oder Stiftungsgelder.
Nach Meinung der Befragten sollten mehr finanzielle Mittel in die technische Ausstattung (Hardware/Software), in Dokumentations- und Verwaltungslösungen, in digitale Prozessoptimierung (inklusive Automatisierung und KI) sowie nicht zuletzt in Fortbildungen für Mitarbeitende rund um das Thema Digitalisierung fließen.
Eindruck der Entlastung durch Einsatz digitaler Technologien
Die Mehrheit der Befragten (61%) fühlt sich durch den Einsatz digitaler Technologien eher entlastet, 16% geben an, sich sehr entlastet zu fühlen. 19% fühlen sich eher nicht entlastet und 4% geben an, sich gar nicht entlastet zu fühlen (vgl. Abbildung 3).
Die obere Leitungsebene fühlt sich deutlicher entlastet als die anderen beruflichen Positionen. Bezüglich einzelner Handlungsfelder zeigen sich Unterschiede: 90% der Befragten aus den ambulanten Hilfen zur Erziehung geben an, sich eher bis sehr entlastet zu fühlen, unter den Befragten aus Amt und Behörde sind es hingegen nur 65%. Sehr entlastet fühlen sich überdurchschnittlich häufig Befragte aus den Hilfen für Menschen mit Beeinträchtigungen (21 %), während es bei den Befragten aus den stationären Hilfen zur Erziehung nur 10% sind.
Abbildung 3:
Eindruck der Entlastung durch Einsatz digitaler Technologien
Informationsquellen bezüglich digitaler Technologien im Beruf
Am häufigsten informieren sich die Befragten über (neue) digitale Technologien im informellen Austausch mit Kolleg:innen, gefolgt von Recherche im Internet und in privaten Kontexten (vgl. Abbildung 4). Auch Chatbots werden inzwischen als Informationsquelle genutzt. Fort- und Weiterbildungsangebote – egal ob einrichtungsintern, von Verbänden oder Softwareanbietern – werden hingegen von weniger als 40% der Befragten angegeben. Hier zeigen sich Unterschiede in Abhängigkeit von der beruflichen Position: Fort- und Weiterbildung durch Verbände und Hochschulen werden von 56% der Führungskräfte auf den oberen Ebenen und von 22% der Fachkräfte genutzt. Bei den einrichtungsinternen Fort- und Weiterbildungen sind es hingegen 20% der Führungskräfte auf der oberen Ebene und 38% der Fachkräfte.
Abbildung 4:
Informationsquellen hinsichtlich digitaler Technologien
Beratungskompetenz hinsichtlich digitaler Technologien
Die Einschätzungen der eigenen Kompetenz, Adressat:innen bei der Nutzung digitaler Technologien zu beraten, sind heterogen. Fast die Hälfte der Befragten (45%) schätzt die eigenen Kompetenzen als sehr gut oder gut ein, ein Drittel als befriedigend. Ein knappes Viertel (24%) der Befragten bewertet sie mit den Noten ”ausreichend” oder ”mangelhaft”.
Nutzung von Large-Language-Models (z.B. ChatGPT)
Knapp ein Drittel der Befragten (29%) nutzt LLM-Anwendungen mindestens einmal pro Woche für berufliche Zwecke, ein gutes Drittel (37%) nutzt LLM einmal im Monat oder seltener und ein Drittel (34%) nutzt LLM gar nicht. Die Nutzungshäufigkeit variiert deutlich in Abhängigkeit von der beruflichen Position: Je höher die Position in der Berufshierachie ist, desto häufiger werden LLM-Anwendungen genutzt. Von den Befragten der oberen Leitungsebene gibt knapp die Hälfte (46%) an, diese mindestens einmal pro Woche anzuwenden, 18 % nutzen sie sogar täglich oder fast täglich. Aber auch Befragte, die sich aktuell in Ausbildung befinden, verwenden LLM etwas häufiger als Fachkräfte oder Leitungskräfte der unteren Ebene (vgl. Abbildung 5).
Abbildung 5:
Nutzung von LLM nach beruflicher Position
Nutzungszwecke von Large Language Models
LLM-Anwendungen werden vor allem für das Erstellen von Texten sowie die Informationssuche verwendet, etwas seltener für Brainstorming, Übersetzungsaufgaben oder das Zusammenfassen von Texten (vgl. Abbildung 6)..
Abbildung 6:
Nutzungszwecke von LLM
Erste Schlussfolgerungen
Die Befragung zeigt, dass v.a. Messengerdienste und Kollaborationstools unter den Befragten breit etabliert sind. Bemerkenswert ist die rasche Verbreitung von KI-Chatbots, die bereits häufig zur Dokumentation und Recherche eingesetzt werden. Auffällig ist zudem der Anstieg träger- und verbandseigener Apps, was auf einen wachsenden Bedarf nach spezialisierten digitalen Lösungen hinweist. Aus der tendenziell ungleichen Verteilung der Technologiekompetenz, insbesondere bei KI-Anwendungen, lässt sich der Bedarf nach systematischen Weiterbildungsangeboten ableiten, die verschiedene Zielgruppen berücksichtigen. Die starke Abhängigkeit von Trägereigenmitteln bei der Finanzierung digitaler Entwicklungen zeigt wiederum den Bedarf nach nachhaltigeren Finanzierungsmodellen auf.
Aus wissenschaftlicher Sicht ergeben sich verschiedene Forschungsbedarfe. Die Wirkungsforschung zu digitalen Entlastungseffekten steht noch am Anfang - es fehlen vertiefte Studien darüber, ob und wie digitale Technologien tatsächlich zu einer Arbeitserleichterung in der Sozialen Arbeit beitragen. Längsschnittstudien könnten wiederum Aufschluss darüber geben, wie sich die intensive Nutzung digitaler Kommunikationskanäle langfristig auf professionelle Beziehungen auswirkt. Die schnelle Adoption von KI-Chatbots wirft die Frage auf, inwiefern die Nutzer:innen den Umgang mit der Technologie fachlich und ethisch reflektieren. Hierzu erwarten wir Auskunft aus der Auswertung weiterer Daten von DIGITASA 2025. Die in Teilen erkennbaren arbeitsfeldbezogenen Unterschiede in der Technologienutzung legen nahe, dass differenzierte Digitalisierungsstrategien erforderlich sind, die den spezifischen Anforderungen verschiedener Handlungsfelder Rechnung tragen. Zudem wäre es wichtig zu erforschen, wie partizipative Ansätze bei der Technologieentwicklung gestaltet werden können, um sowohl Fachkräfte als auch Adressat:innen stärker einzubeziehen.
Die Ergebnisse der DIGITASA Erhebung 2025 weisen darauf hin, dass sich die Soziale Arbeit weiterhin in einem dynamischen Digitalisierungsprozess befindet. Eine empirisch fundierte und kritisch-reflexive Gestaltung dieses Wandels erscheint notwendig, um die Potentiale digitaler Technologien zu nutzen und gleichzeitig mögliche fachliche Risiken sowie sozialpolitische Implikationen zu berücksichtigen.
Bei einer Nutzung der hier vorgestellten Studienergebnisse bitten wir um Angabe der Quelle wie folgt:
Matthies, A., Sailer, J., Tetens, J. & Wahren, J. (2025): DIGITASA 2025 - Ausgewählte Ergebnisse der dritten bundesweiten Pulsbefragung zur Digitalisierung (in) der Sozialen Arbeit. (Aufgerufen am TT.MM.JJ, verfügbar unter www.digitasa.de).