Hintergrund der Studie

Nicht erst seit der Corona-Pandemie zeigt sich in der Sozialen Arbeit: Die Digitalisierung hat deutliche und weitreichende Auswirkungen auf die Arbeit von Fach- und Führungskräften (Tetens, 2021) und ist damit relevant für die Fachöffentlichkeit und für die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte. Soziale Arbeit ist dabei einerseits Gestalterin von Digitalisierung in ihren eigenen Bezügen. Andererseits ist sie selbst den weitreichenden gesamtgesellschaftlichen digitalen Entwicklungen unterworfen. Insgesamt sind daher für alle Akteur:innen Chancen (u.a. Partizipation / Mitbestimmung, Arbeitserleichterung durch neue digitale Tools) und Herausforderungen (u.a. Empfinden von Erwartungsdruck, Überforderungsgefühle) zu erwarten. Dabei steht gegenwärtig weniger zur Debatte, ob Digitalisierung in der Sozialen Arbeit von Relevanz ist, als vielmehr, wie sie ausgestaltet wird (Busche-Baumann/Ermel i.E.; Ermel, 2020). Bisher zeigen sich Forschungsprojekte vielfach zugeschnitten auf einzelne Handlungsfelder der Sozialen Arbeit (Kutscher et al., 2020; Matthies 2021). Was in der Forschungslandschaft bislang fehlt, ist ein übergeordneter Blick, der Soziale Arbeit als Gesamtkontext von Profession und Disziplin sowie Forschung und Lehre versteht (Wahren 2014).   

Die Forschungsgruppe “Digitalisierung (in) der Sozialen Arbeit” der IU Internationale Hochschule will den vielfältigen Digitalisierungsphänomenen der Profession systematisch nachgehen. Als erstes gemeinsames Forschungsprojekt wird die bundesweite Pulsbefragung DIGITASA initiiert. Sie richtet sich an Sozialarbeitende auf allen Funktionsebenen (Fachkräfte, Führungskräfte, Verwaltungsebene etc.) und in allen Handlungsfeldern. Sie erfolgt querschnittlich in regelmäßigen Abständen, um die Dynamik der Prozesse abbilden zu können. Dabei richtet sich der Blick u.a. auf
Selbsteinschätzungen der Sozialarbeitenden in der Praxis, den Stand der technischen Ausstattung und deren Nutzungsmöglichkeiten für digitale bzw. digital gestützte Formate, Nutzungskompetenzen der Fach- und Führungskräfte der Sozialen Arbeit, die Beurteilung der Umsetzung digitaler Prozesse sowie deren Chancen und Hürden für die Erreichbarkeit von Adressat:innen. 

Das Forschungsvorhaben macht sich auf den Weg, Antworten darauf zu finden, wie Soziale Arbeit durch Digitalisierung verändert wird, wie auf diese Veränderungen professionell handelnd reagiert und wie sie mitgestaltet werden kann. 

Die erste Erhebungsphase (2021) hat Pilotcharakter und zielt auf eine breite Erfassung des Reifegrads der Digitalisierung (in) der Sozialen Arbeit ab. Deshalb sind die Frage-Items absichtlich allgemeiner gehalten und die Teilnehmenden haben die Möglichkeit zu ergänzenden Textantworten. Hierüber können auch Aspekte der Digitalisierung aufgenommen werden, die bisher noch wenig im Fokus stehen.

In den weiteren Erhebungsphasen sollen diese Aspekte aufgegriffen werden. Es sind Schwerpunkte in der thematischen Ausgestaltung der Befragung denkbar, z.B. inwiefern die Digitalisierung die Kommunikation mit den Adressat:innen verändert, welche Chancen sich hier bieten, aber auch welche Risiken gesehen werden. Zugleich sollen bestimmte Frage-Items in der jährlichen Befragung beibehalten werden, um mittelfristig bundesweite Entwicklungen und Trends abbilden zu können

Zentrale Ergebnisse der jährlichen Befragung werden allen Teilnehmenden sowie den Kooperationspartner:innen per Mail zur Verfügung gestellt. Eine Veröffentlichung in den Publikationsmedien und der Kooperationspartner:innen ist möglich. Zudem sind wissenschaftliche Publikationen vorgesehen sowie die Präsentation und Diskussion der Resultate auf Kongressen und Fachtagungen.

Literatur 

Busche-Baumann, M./Ermel, N. (Hrsg.)(i.E). Wir müssen da sein, wo die Kids sind! Schulsozialarbeit in digitalisierten Lebenswelten. Weinheim & Basel: Beltz Juventa. 

Ermel, N. (2020): Schulsozialarbeit und Digitalisierung. In: Hollenstein, E./Nieslony, F. (Hrsg.). Schulsozialarbeit in mediatisierten Lebenswelten. Weinheim & Basel: Beltz Juventa. S. 43-53. 

Kutscher, N.; Ley, T.; Seelmeyer, U.; Siller, F.; Tillmann, A.; Zorn, I. (Hrsg.) (2020). Handbuch Soziale Arbeit und Digitalisierung. Weinheim & Basel: Beltz Juventa. 

Matthies, A. (2021). Divergierende Perspektiven. Disziplinäre Deutungsmuster in der digitalen Gestaltung für Handlungsfelder der Sozialen Arbeit. In: Freier, C./König, J./Manzeschke, A./Städtler-Mach, B. (Hrsg.): Gegenwart und Zukunft sozialer Dienstleistungsarbeit. Chancen und Risiken der Digitalisierung in der Sozialwirtschaft. Wiesbaden: Springer VS. S. 61-71. 

Stüwe, G./Ermel, N. (2019). Lehrbuch Soziale Arbeit und Digitalisierung. Weinheim & Basel: Beltz Juventa. 

Tetens, J. (2021): Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe – Ergebnisse der ACAJU – Studie. Evangelische Jugendhilfe 2/2021, S. 98-106. 

Wahren, J. (2014): Soziale Arbeit – auf dem Weg zur Profession?! Rezension zu Motzke, K.: Soziale Arbeit als Profession. Opladen, Berlin & Toronto: Verlag Barbara Budrich. In: Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit 5/2014. S. 397-399.